Digital Signage bezeichnet Bildschirme an Orten, an denen Menschen warten, einkaufen oder vorbeigehen – über der Theke einer Bäckerei, im Schaufenster, im Wartezimmer einer Arztpraxis, im Foyer –, deren Inhalte zentral per Software gesteuert werden. Niemand muss mit Fernbedienung oder USB-Stick davorstehen. Der Bildschirm selbst ist gewöhnlich. Zu Digital Signage wird er durch das, was dahintersteckt: einen kleinen Player, der die Inhalte abspielt, ein Dashboard, in dem jemand festlegt, was wann läuft, und eine Verbindung, die diese Entscheidungen zum Bildschirm bringt.
Die kurze Antwort auf die Frage „Was ist Digital Signage?“ lautet also: Plakat, Kreidetafel und Aushang, nur dass Sie den Inhalt in Sekunden vom Laptop aus ändern, auf einem Bildschirm oder auf fünfzig, und dass der Bildschirm mit Ihren Öffnungszeiten von selbst an- und ausgeht. Im Alltag begegnet Ihnen dasselbe unter anderen Namen: Infobildschirm, digitales Schwarzes Brett, digitale Speisekarte, Werbebildschirm. Gemeint ist jedes Mal die gleiche Technik mit einem anderen Inhalt. Dieser Leitfaden erklärt die Bausteine, typische Einsatzorte und die ungefähren Kosten, und er zeigt, wie Sie anfangen, ohne etwas zu kaufen, das Sie später bereuen.
Digital Signage oder Fernseher mit USB-Stick?
Der erste Versuch ist oft ein Fernseher, der eine Diashow vom USB-Stick abspielt. Bilder erscheinen, insofern funktioniert es. Was dieser Aufbau nicht kann, merken Sie ab der zweiten Woche:
- Inhalte ändern, ohne dass jemand mit einem neuen Stick zum Fernseher geht;
- zum Ladenschluss dunkel werden und zur Öffnung wieder anlaufen, ganz von selbst;
- dieselbe Aktion gleichzeitig auf die Bildschirme in drei Filialen bringen;
- Ihnen sagen, ob der Bildschirm gestern Nachmittag überhaupt lief;
- nach einem Stromausfall von selbst wieder anlaufen, ohne dass jemand die Fernbedienung sucht.
Digital Signage ist der Sammelbegriff für Systeme, die genau das können. Der Bildschirm kann derselbe Fernseher bleiben. Anders ist, wer ihn steuert, von wo aus und was an einem schlechten Tag passiert.
Wie funktioniert Digital Signage? Die fünf Bausteine
Ob ein einzelner Bildschirm in der Bäckerei oder Hunderte in einer Filialkette: Jede Installation besteht aus denselben fünf Teilen. Wer sie kennt, liest Produktseiten und Angebote mit anderen Augen.
1. Der Bildschirm
Das Display, auf das die Leute schauen: ein normaler Fernseher, ein professionelles Display für lange Laufzeiten, ein Tablet auf der Theke oder, am oberen Ende, eine Videowand. In kleinen Betrieben ist es meist ein Gerät zwischen 32 und 55 Zoll, an der Wand oder von der Decke abgehängt, quer oder hochkant.
Die wichtigen Unterschiede stehen selten auf dem Karton. Ein Fernseher ist für ein paar Stunden am Tag gebaut, ein Profi-Display für 12 bis 24 Stunden, und es ist meist heller, was im Schaufenster den Ausschlag gibt. Ob das Gerät nach einem Stromausfall von selbst wieder angeht, ist wichtiger als 4K. Den Vergleich Professional Display vs. Fernseher sollten Sie vor dem Kauf lesen.
Die Größe richtet sich nach dem Abstand. Eine Faustregel, die sich in echten Räumen bewährt: Wer am weitesten weg steht, sollte bei großer Schrift höchstens sechs Bildschirmhöhen entfernt sein, bei einer Karte, die Zeile für Zeile gelesen wird, höchstens vier. Die Hardware-Seite macht daraus eine Tabelle von der Theke bis zum Foyer.
2. Der Player
Der kleine Rechner, der die Inhalte abspielt und per HDMI an den Bildschirm schickt. Üblich sind:
- eine Android-TV-Box oder ein Stick hinter dem Bildschirm, die häufigste Wahl;
- der Bildschirm selbst, wenn er mit Android TV oder Google TV läuft und Apps installieren kann;
- ein Windows-PC oder ein Mac, oft einer, der ohnehin unter der Theke steht;
- ein Webbrowser im Vollbild, der schnellste Weg zum Ausprobieren.
Hier entscheidet sich ein großer Teil der Zuverlässigkeit. Ein guter Player startet von selbst, wenn der Strom zurückkommt, fängt sich wieder, wenn die angezeigte Seite hängt, und spielt aus seinem eigenen Speicher weiter, wenn das Internet ausfällt.
Die typische Falle sind Smart-TVs. Für Samsung (Tizen) und LG (webOS) gibt es keine SignageStack-App. Der eingebaute Browser des Fernsehers kann zwar oft eine Webseite öffnen, startet aber nach einem Stromausfall nicht von selbst neu und bleibt nicht zuverlässig im Vollbild. Für einen Bildschirm, um den sich im Alltag niemand kümmert, gehört deshalb eine kleine Android-Box dahinter. Häufig gefragt sind auch Fire TV Sticks und der Raspberry Pi. Beide lassen sich für Digital Signage einsetzen, SignageStack hat aber keines der beiden Geräte geprüft und freigegeben und sagt deshalb nicht zu, dass sie zuverlässig laufen. Mehr dazu im Beitrag über den Digital-Signage-Player.
3. Die Software
Der Teil, mit dem Sie arbeiten, oft CMS genannt (Content-Management-System). Sie besteht aus zwei Hälften: einem Dashboard im Browser, in dem Sie Inhalte hochladen, zu Playlists ordnen, die Betriebszeiten jedes Bildschirms festlegen und sehen, welche Bildschirme online sind; und der Player-Software auf jedem Bildschirm, die diese Anweisungen empfängt und ausführt.
Es gibt drei Grundformen: gehostete Dienste mit einem Preis pro Bildschirm und Monat, kostenlose Einstiegstarife und Open-Source-Projekte zum Selbstbetrieb sowie Enterprise-Pakete mit Preis auf Anfrage. Sie unterscheiden sich weniger darin, was auf dem Bildschirm erscheint, als im ganzen Drumherum: Zeitsteuerung, Offline-Wiedergabe, Verwaltung mehrerer Standorte, Rechte, Datenschutz. Eine Checkliste mit den richtigen Fragen finden Sie unter Digital-Signage-Software auswählen.
4. Die Inhalte
Was die Leute sehen, in vier Sorten:
- Bilder und Videos, die Sie selbst gestalten oder schon haben: das Angebot der Woche, ein Foto vom neuen Kuchen, ein kurzer Produktfilm.
- Live-Informationen, die sich selbst aktualisieren: die Termine eines Besprechungsraums, eine Tabelle aus Google Tabellen, die nächsten Feiertage, Schlagzeilen aus einem RSS-Feed.
- Dokumente: ein PDF, eine Präsentation, ein Design aus Canva.
- Layouts, die mehreres kombinieren: die Speisekarte in einem Feld, die Uhr in einem zweiten, ein Laufband mit kurzen Hinweisen in einem dritten.
Die Inhalte kommen in eine Playlist, eine geordnete Liste, in der jedes Element eine festgelegte Anzahl Sekunden stehen bleibt, bevor das nächste folgt, in Schleife, bis Sie etwas ändern. Manche Produkte wechseln Playlists auch nach Uhrzeit; SignageStack tut das nicht. Wechselt die Karte, deaktivieren Sie ein Element und aktivieren ein anderes, und die Betriebszeiten jedes Bildschirms bestimmen, wann er überhaupt spielt: zu den Öffnungszeiten der Woche oder nur in den zwei Wochen einer Messe. In SignageStack heißen die Live-Bausteine Apps. Sie füllen einmal ein Formular aus (den Kalender, die Tabelle, die Adresse des Feeds), danach hält sich der Bildschirm selbst aktuell. Das Dashboard gibt es auch auf Deutsch, und Apps wie Wetter und Google Kalender zeigen ihre Inhalte auf Wunsch ebenfalls auf Deutsch.
5. Das Netzwerk
Eine Verbindung bringt Änderungen vom Dashboard zu den Bildschirmen. Sie wird zum Koppeln und für neue Inhalte gebraucht. Ein gut gebauter Player braucht sie nicht, um weiterzuspielen: Er speichert Playlist, Betriebszeiten und Medien auf dem Gerät. Fällt die Verbindung aus, verzögert sich die nächste Änderung, schwarz wird der Bildschirm deshalb nicht. Warten müssen nur Inhalte, die ihrer Natur nach live sind, etwa eine Webseite oder ein YouTube-Video. Ein Netzwerkkabel ist am zuverlässigsten; WLAN funktioniert, wenn der Access Point nah am Bildschirm sitzt.
Was passiert, wenn Sie einen Preis ändern?
Am besten sieht man das Zusammenspiel, wenn man einer einzigen Änderung vom Dashboard bis an die Wand folgt. So läuft es bei SignageStack; gehostete Systeme arbeiten im Grundsatz ähnlich.
- Die Inhaberin einer Bäckerei öffnet am Montagabend das Dashboard am Laptop und ändert den Preis der Laugenbrezel auf der digitalen Speisekarte.
- Sie veröffentlicht die Änderung. Der Dienst schickt die Änderung über eine offene Verbindung an jeden Bildschirm, der diese Karte zeigt; sie kommt in Sekunden an.
- Jeder Player lädt zuerst herunter, was er neu braucht, etwa ein Foto, und wechselt erst dann. Nichts erscheint halb geladen.
- Der Bildschirm zeigt den neuen Preis, und der Player meldet zurück, was er gerade abspielt. Daran erkennt das Dashboard, dass die Änderung angekommen ist.
- Fällt am Dienstagmorgen das Internet aus, läuft die Karte aus dem Speicher des Players weiter, und der Bildschirm wird trotzdem zum Ladenschluss dunkel, weil die Betriebszeiten auf dem Gerät liegen und dort ausgewertet werden.
Kein USB-Stick, kein Nachdruck, niemand auf der Leiter. Genau das ist Digital Signage im Alltag. Die Seite So funktioniert es zeigt dieselben Schritte mit Blick ins Dashboard.
Wofür wird Digital Signage eingesetzt?
Überall, wo Menschen stehen, warten oder vorbeigehen und etwas wissen müssen:
- Digitale Speisekarte in Bäckerei, Café, Imbiss und Kantine: Preise in Sekunden geändert, der Wechsel vom Frühstück zum Mittagstisch mit zwei Fingertipps am Handy.
- Schaufenster und Verkaufsfläche: Aktionen der Woche, in Sekunden eingestellt und wieder entfernt, ein QR-Code zum Produkt im Onlineshop, im Autohaus die Fahrzeuge der Woche.
- Empfang und Foyer: Begrüßung, Uhrzeit, die Veranstaltungen des Tages.
- Besprechungsräume: die Buchungen des Tages auf einem Display neben der Tür.
- Wartezimmer: Neuigkeiten aus der Praxis, Hinweise zum Ablauf, die Online-Terminbuchung per QR-Code. Ruhig, langsam, ohne Ton.
- Schule, Verwaltung und Büro: Aushänge, Vertretungspläne, ein Countdown bis zum Sommerfest. Das digitale Schwarze Brett, ohne Reißzwecken.
- Produktion und Lager: Sicherheitshinweise, Schichtinformationen und Kennzahlen für alle, die nie an einem Schreibtisch sitzen.
Konkrete Aufbauten für jede dieser Situationen finden Sie in den Digital-Signage-Beispielen.
Manche verwandten Dinge tragen denselben Namen, sind aber eigene Projekte. Touch-Terminals, an denen Kunden selbst tippen und bestellen, brauchen Hardware und Software für Eingaben. Videowände und LED-Werbetafeln im Außenbereich setzen viele Module zu einem Bild zusammen und werden in der Regel von Fachfirmen installiert. Hier geht es um den häufigen Fall: Bildschirme, auf die man schaut, drinnen oder hinter Glas, mit Inhalten in Schleife.
Was kostet Digital Signage?
Bei einer kleinen Installation fallen vier Posten an, ungefähr nach Größe sortiert:
Posten | Was er kostet | Anmerkung |
|---|---|---|
Bildschirm | Nichts, wenn Sie einen vorhandenen Fernseher nutzen; mehr für ein Profi-Display | Meist der größte Einzelposten |
Player | Eine brauchbare Android-TV-Box kostet typischerweise 40–120 € | Entfällt, wenn der Bildschirm mit Android TV oder Google TV läuft oder schon ein Rechner da ist |
Software | Eine Gebühr pro Bildschirm und Monat oder Jahr, oder Ihre eigene Zeit bei kostenlosen und selbst betriebenen Lösungen | SignageStack: 11 € pro Bildschirm und Monat oder 100 € im Jahr, zzgl. MwSt. |
Montage und Inhalte | Halterung, Kabel, eventuell eine neue Steckdose; Zeit für Gestaltung und Pflege | Die Zeit wird am häufigsten vergessen |
Ein Rechenbeispiel: Ein Café, in dem schon ein Fernseher hängt, braucht eine Box und ein Abo. Mit einer Box aus der typischen Preisspanne und SignageStack im Jahrestarif kommen Box und erstes Softwarejahr zusammen auf etwa 140–220 €, die Software netto gerechnet. In den Folgejahren bleibt nur das Abo. Eine Filialkette mit neuen Profi-Displays rechnet anders; die Kostenübersicht geht beide Fälle durch.
Woran Digital Signage scheitert
Bildschirme, die enttäuschen, scheitern meist an einem von drei Dingen, und keines davon löst ein größerer Bildschirm.
Niemand ist für die Inhalte zuständig. Im Februar läuft noch das Weihnachtsangebot. Ein Bildschirm mit veralteten Inhalten ist schlechter als gar keiner, weil er den Leuten beibringt, nicht mehr hinzusehen. Legen Sie vor dem Kauf fest, wer ihn pflegt und wie oft. Tragen Sie das Ende jeder Aktion in Ihren eigenen Kalender ein und schalten Sie sie an diesem Tag ab; von selbst verschwindet sie nicht.
Er ist von dort, wo die Leute stehen, nicht lesbar. Schrift in Laptopgröße, 12-Punkt-Text auf einer Folie, eine Folie, die weiterspringt, bevor jemand fertig gelesen hat. Eine Botschaft pro Folie, große Schrift und genug Sekunden auch für langsame Leser.
Er geht aus und bleibt aus. Stromausfall, ein Fernseher, der auf seine Fernbedienung wartet, ein eingefrorener Player, ein geändertes WLAN-Passwort. Automatisches Einschalten, ein Player, der sich selbst wieder fängt, und Offline-Wiedergabe sind unspektakulär und entscheiden trotzdem, ob ein Bildschirm in sechs Monaten noch läuft.
So fangen Sie an
Beginnen Sie mit einem Bildschirm und einer Aufgabe: der Speisekarte, dem Schaufenster oder dem Empfang. Kaufen müssen Sie dafür zunächst nichts.
- Schließen Sie einen Laptop an den vorhandenen Fernseher an und öffnen Sie den Web-Player im Browser. Er zeigt einen sechsstelligen Code.
- Tippen Sie den Code im Dashboard unter „Bildschirm hinzufügen“ ein. Damit ist der Bildschirm gekoppelt.
- Erstellen Sie eine kurze Playlist (drei oder vier Elemente reichen) und fügen Sie sie dem Bildschirm hinzu.
- Probieren Sie das eine Woche lang im Alltag aus. Bewährt es sich, ist eine kleine Android-Box hinter dem Fernseher der übliche nächste Schritt.
Die Testphase von SignageStack läuft 21 Tage mit allen Funktionen auf einem Bildschirm, eine Kreditkarte ist dafür nicht nötig. Die Anleitung Digital Signage einrichten führt Sie Schritt für Schritt durch die Einrichtung.